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Happening auf Kampnagel

Liebe Freundinnen und Freunde des Einstellungsraums,

nach einer Pause melde ich mich im Blog zurück. Inzwischen haben wir den Katalog „Hybrid“ herausgebracht und konnten ihn in K 3, dem Zentrum für Choreographie auf Kampnagel, präsentieren.

Die Katalog-Release auf Kampnagel ergab sich durch Claudia Plöchinger, die als Kuratorin und Produzentin VERKEHR – Ein choreographisches Planspiel konzipiert und kuratiert. In der Planungsphase nahm Elke Suhr Kontakt mit ihr auf und lud sie ein, ihr Konzept im EINSTELLUNGSRAUM vorzustellen. Wie ich gestern auf der Premiere erleben konnte ist ihr und ihrem Team ein spannendes 3-stündiges Experiment mit dem Publikum gelungen.

Dieses Happening, bei dem alle Besucher mitmachen und nur bei gelegentlichen Verschnaufpausen auch einmal zuschauen, zeigt, dass Verkehr und Choreographie keine Gegensätze sind. Deshalb möchte ich hier Kurzentschlossenen einen Theatertipp geben.

 

Claudia Plöchinger: VERKEHR, auf Kampnagel 14.-16. April 2011jeweils um 19:30

Gruppen mit A fangen im Parcours mit den Autoskootern an, spielen in einem übergroßen Flipperautomaten, wo man Millionen Punkte machen kann, oder rasen mit ferngesteuerten Miniaturautos durch einen virtuellen Parcours, der jederzeit von Stadtverkehr auf Autobahn oder sich an Felswänden schlängelnden Küstenstraßen wechseln kann. Macht aber nichts, wenn man gerade weiter über das Wasser und durch Berge und Wände fährt. Im Hybrid aus Modell und Virtuell kann man es richtig krachen lassen, was im Autoskooter ohne Bremse bekanntlich nur bedingt möglich ist.

Gruppen mit B fangen in einem zweiten Rundkurs an, der sich als Kreisverkehr um eine Art Kaaba gruppiert, in dem 11 Besucher zu Protagonisten von überschaubaren Handlungen werden, die nach Anweisungen gespielt werden. In einem Studio mit Regalwand, Schreibtisch, Garten, Schlafzimmer und Kommode entsteht daraus eine endlos Folge von Simultanhandlungen. Spätestens hier wird klar, warum sich Plöchinger Kuratorin nennt. Sie stellt die Bedingungen zur Verfügung, in denen man sich bewegt. Dabei ist es angenehme ist, dass man – wovor viele ja immer noch Angst haben – nicht überfordert wird. Scheinbar zwanglos wird man Teil einer „Maschine“, wie sie die Installationsfolge nennt. Zwischendurch kann man sich an einer Bar oder einem Kiosk erfrischen oder in einer Massagezelle, beim Loungen vor Trainingsfilmen der Polizei aus den 1960ern, an einem Mega-Tischfußballspiel entspannen.

Im zweiten Durchgang wechseln die Gruppen A und B die Parcours.

Eigentlich kann man nur in je einem der je vier Segmente in den zwei Teilen des Stückes wirklich Zuschauer sein: Auf der Tribüne vor der Autoscooter-Halle und hinter den Spiegeln, durch die man die 11 nach Anweisungen agierenden beobachten kann. Hier kann man sehen, warum das Stück eine Choreographie heißt. Die Bewegungen nach Anweisungen sind ob mit und ohne Gefährt bei jedem Menschen innerhalb der vorgegebenen Muster oder Vorschriften so einzigartig, dass man erkennt, warum es so erstaunlich ist, dass die Selbstorganisation so vielen Menschen auf der Straße so durchgreifend funktioniert, dass sie durch Regeln kaum zu stoppen sind. Ein Stück bei dem man selbst, wenn man ständig gefordert ist, so viel über den Verkehr lernt, dass man bemerkt, dass er eigentlich nicht zu bändigen ist, es sei denn alle Benutzer bändigen sich selbst – mehr oder weniger. Insofern ist es auch ein Stück über Tugenden, die jeweils mit der Selbstbeschränkung zu tun haben. Und hier befinden wir uns, ausgehend von den Nachbeben der Happenings vor 50 Jahren, mitten in Themen des Theaters. 

Johannes Lothar Schröder

Katalog “Hybrid” 2010 kommt

Während sich viele von uns während der Ferien den Bauch ausgestopft haben, hat Elke Texte und Bildmaterial für den Katalog über alle Ausstellungen und Aktivitäten des nun vergangenen Jahres gesammelt und in eine Form gebracht. Wir sind gespannt und freuen uns darauf, euch das Ergebnis bald vorstellen zu können.

Zunächst sehen wir hoffendlich viele von euch zur Einführung in das Jahresthema am 27. Jan. und zur Ausstellung von und mit Jörn Burmester.

Johannes

Wieder da im Neuen Jahr

Gut ins Neue Jahr gekommen bin ich, wie alle Leser hoffentlich auch! Trotz der Schreibpause, Weihnachten, rutschigen Straßen und Sonnenfinsternis sind wir guter Dinge zurück im Einstellungsraum und arbeiten am aktuellen Jahresprojekt „Autos fahren keine Treppen“. Mir schweben Szenen auf Filmen und Comics vor, wo es solchen Figuren wie Daniel Düsentrieb gelungen sein muss, Autos so zu frisieren, dass sie Treppen hinauf und hinunter fahren können. Kann sich jemand an solche Szenen erinnern und - besser noch - sie uns zur Verfügung stellen?

Auch das letzte Jahr wird bald abgeschlossen sein. Der Text über Juro Grau ist fast fertig und an der Veröffentlichung des sehr heterogenen Materials, das die drei mal drei Tage mit Aktionen hervorgebracht haben, wird weiter gearbeitet. Wie immer, wenn man es mit der scheinbar immateriellen Aktionskunst zu tun hat, wird am Ende viel mehr produziert, als man am Anfang hereingesteckt hat: Man könnte sagen, es ist mehr als ein Hybridmotor der künstlerischen Produktion, so würde diese Aktionskunst zum kulturellen perpetuum mobile, vielleicht als ein Selbstläufer der Kunst in der Kunst.

Weiterführend haben sich die Diskusstionen über Re-doings mit den Gästen erwiesen. Andrés Galeano hat mir sein Interview mit mir zur Verfügung gestellt, so dass in Kürze Auszüge davon auf die Homepage gestellt werden. Auch die Ansätze mit den Cut-outs am 9. – 11. 12. 10 erwiesen sich als produktiv. Zwar sind die Arbeiten von Sahin Ince weiterhin unauffindbar, doch sind inzwischen Fotodokumente aufgetaucht, die belegen, dass Hamburg in den 1990ern ein Entwicklungslabor für „Cut-outs“ war. Wir halten unsere Leser auf dem Laufenden.

Herzliche Grüße und Glückwünsche für ein 2011 mit guter Gesundheit und erfolgreichem Gelingen möglichst vieler Vorsätze und Vorhaben!

Johannes

Schneehäschen malen und Bananenpreis

Dieses Wochenende sind Florian Feigl und Jörn Burmester zu Gast bei „Aktionen 3x wöchentlich“. Zuhause in Berlin halten sie die Organisation des Performerstammtischs ein paar Tage an der langen Onleine. Nach Hamburg haben sie niedliche Schneehäschen mitgebracht. Während ihre Dompteure am Fr. den 17.12. die Raumachse des Einstellungsraums quer über die Straße bis auf die gegenüberliegende Fassade verlängern, müssen die Kleinen  Bilder malen. Wir sind „tierisch“ gespannt, wie Florian es schafft, über die eisglatte Fahrbahn der Wandsbeker Chaussee zu kommen.  „Wenn du mich hören kannst Florian, dann sag mir dringend, ob du schon die Polarnägel unter deine Sohlen geschraubt hast?“

Am Samstag wird der Gewinner des Bananenrätsels belohnt.  Wer die Form der Banane der richtigen Aktion zuordnet, bekommt als Preis eine von Schröder ausradierte Originalzeichnung oder eine Tafel Schokolade analogen Marktwerts. Burmester, Feigl und Schröder werden sich über das Gespräch zwischen Beuys und Filliou hermachen. Dieses und weitere Re-doings von unbekannten und bekannten Werken und Re-tellings nach Losen, die aus der Salzglasurvase im Fenster zu ziehen sind, die Lose von 42 Vorträgen enthält, können aktiviert werden.

Do., Fr., Sa., also vom 16. – 18. Dezember täglich von 17 – 20 Uhr.

Black-Box: Gute Besserung René

Aus der Korrespondenz mit René Schmalz

“(…)

Das Programm am ersten Abend ließ sich in deinem Sinne gestalten, trotzdem haben dich alle sehr vermisst. Besonders Brigitte, unsere Schriftführerin, eine begeisterte Leserin von Friederike Mayröcker, ist gespannt auf das Video, das ihr in Wien gedreht habt.

Mit 4 Teilnehmern ließ sich eine interessante Tischsituation herstellen. Mit dem Auspacken eines Kartons mit Relikten konnte die Intention des Schauwerk Black Box Projektes zumindest angedeutet werden. Der Inhalt des Pakets stammt von einer Installation, die parallel zu meiner Performance über „Isobare und Gliederreißen“ als Beitrag des Festivals „Vogelfrei“ im November 2007 in Darmstadt zu sehen war. Ute Ritschel, die Initiatorin und Kuratorin, hat ihn mir nach der Ausstellung zurückgeschickt. Darin befanden sich mit Pigmenten gefärbte Isobare aus Draht und zu Wirsingköpfen gedrehte Manuskriptseiten und Knochen aus Manuskriptmaché. Alle Anwesenden lasen die erkennbaren Worte laut. So dass ein Cut-up-Text zu Fragen des Körpers in der Performance und auf Zeichnungen von Thomas Rieck vernehmbar wurde.

Als Los wurde die Mappe mit den Vorüberlegungen zu meinem Papier für die 8. PSi-Konferenz 2002 Theaters of Life an der N.Y.U. gezogen. Charlotte Salomons autobiographischen Aquarellen Theater und Leben und die darin enthaltenden Entwürfen für eine Operette lieferten ein schier überwältigendes Material über fatale Familienkonstellationen, Flucht, Deportation, Depression und „Talking Heads“.

Eine zweiminütige Mikro-Performance mit einer Kuckucksuhr ging der Frage nach, warum ausgerechnet der Kuckuck in der nach im benannten Uhr die Zeit angibt. Tip: Der Kuckuck kann zählen sowie Farben und Größe seiner Eier modellieren.

(…)

Gute Besserung

Johannes“

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Elke Suhr
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