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Archive für Februar 2011
Vorschläge sind willkommen
22.2.2011 von admin.
Die Suche nach einem Titel des Blogs verläuft weiterhin unbefriedigend; Vorschläge sind deshalb weiter erwünscht. Willkommen sind auch Beiträge, Visuelles, Erinnerungen, Anekdoten etc. zur Frühzeit des EINSTELLUNGSRAUMS vor 10 Jahren. Sollten diese als Beitrag zur Jubiläumsfeier im Sommer vorgesehen sein, werden sie natürlich nicht im Voraus veröffentlicht und müssen auch nicht hier und von mir gesammelt werden.
Aufgrund von Einwänden habe ich die letzten Einträge im Blog gelöscht. Für sie gibt es keinen Anlass mehr.
Über die positiven Rückmeldungen hinsichtlich der vorab bereitgestellten Informationen über die Ausstellungen habe ich mich gefreut. Sofern mir aussagekräftiges Material von den Künstlerinnen und Künstler zur Verfügung steht, nutze ich den Blog gerne weiterhin, um dieses im Voraus zugänglich zu machen und um erste Gedanken zu den kommenden Ausstellungen zur Diskussion zu stellen.
Johannes
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“… als würden die Hasen und ich uns gegenseitig übereinander lustig machen.”
1.2.2011 von admin.
Zur Ausstellungseröffnung von Jörn J. Burmester am 3. Feb. 2011
In diesem Jahr möchte ich das Material, das mir von den Künstlern für die Vorbereitung der Einführungsvorträge zur Verfügung gestellt wurde, mit den Lesern des Blogs teilen, so dass es den Besuchern der Ausstellung im Vorfeld möglich ist, sich vorzubereiten oder während der Eröffnung Fragen zu stellen. Ich kann mir vorstellen, dass dadurch bessere Voraussetzungen für eine Diskussion gegeben sind und bin gespannt, ob es funktioniert.
In den letzten Tagen habe ich einige Fragen an Jörn Burmester geschickt, die hier mit seinen Antworten wiedergegeben sind. Außerdem hat er mir Listen der Orte überspielt, die er auf seinen „Umwege(n) auf der Luftlinie“ passierte. Weitere Aufstellungen verzeichnen die Tiere, die er wild lebend, auf den Feldern und Wiesen und tot, meist überfahren, angetroffen hat. Eine dritte Tabelle listet die mitgenommenen Gegenstände.
Joh.: Eine grundlegende Frage ist die nach den Wegen. Wo genau bist du eigentlich hergegangen? Welche Art von Wegen hast du benutzt?
Jörn: Meine Idee war, der Luftlinie zwischen meinem Elternhaus und dem Haus, in dem ich heute wohne, so genau wie möglich zu folgen. In der Praxis ist das natürlich unmöglich. Ich war überrascht, immer wieder ganze Systeme von kleinen Straßen zu finden, auf denen man fast niemand begegnet. Sie führen zu einzelnen Höfen, Feldern oder Waldwegen. Aber fast alle führen irgendwo hin. Das waren die angenehmsten Wege zum Laufen.
Joh.: Wie hast du dich verhalten, wenn dir durch große Felder und Autobahnen der Weg abgeschnitten wurde? Gab es sonst noch Hindernisse?
Jörn: In der zivilisierten Landschaft kann man nur selten querfeldein gehen. Im Laufe meiner Reise Ende Juli wurden immer mehr Felder abgeerntet, dann konnte ich auch mal quer gehen. Vor der Ernte sind die riesigen Schläge der industriellen Landwirtschaft kaum zu passieren, und sie sind oft Kilometer breit. Mit den Autobahnen hatte ich wenig Schwierigkeiten, meistens fand sich bald eine Brücke. So ging es mir auch mit den Flüssen und Kanälen auf dem Weg. Fast immer. Manchmal geht man eben am Fluss entlang, bis sich ein Übergang findet. Schwieriger sind Moore. Gar nicht weit von Berlin gibt es das Kremmener Luch, eine große, von vielen kleinen Wasserläufen durchzogenes Moorgebiet. Sehr schwierig zu durchqueren, aber lohnend, wenn man nach ein paar Stunden Umwege mit kilometerlangen einsamen Kopfsteinpflasterwegen entdeckt - mit kaum einem Haus.
Joh.: Wo hast du übernachtet? Gab es irgendwelche Besonderheiten, die du gerne erzählen möchtest?
Jörn: Nach Möglichkeit habe ich im Freien geschlafen, meistens am Rand von Feldern oder Wäldern. Interessant waren die Geräusche, seltsame, kaum zuzuordnende Tiergeräusche im Dunklen, einmal auch Schüsse. Die einzige wirkliche Schwierigkeit waren aber die Mücken. Nicht wegen der Stiche, sondern wegen des unablässigen Summens in den Ohren. Das hat mich einige Nächte komplett um den Schlaf gebracht, und auch deshalb (und zum Duschen) habe ich ab und zu ein Zimmer genommen.
Joh.: Ich weis, dass sich die Ausstellung besonders auf die Tiere bezieht, die dir begegnet sind. Möchtest du im Voraus schon etwas darüber sagen? Vielleicht eine Aufzählung, damit sich die Leser vorstellen können, was so zwischen Kiel und Berlin kreucht und fleucht?
Jörn: Die Aufzählung: Kaninchen, Rehe, Libellen, Hasen, Mücken, Katzen und Krähen, eine Ringelnatter, ein Emu, verschiedene Raubvögel (leider verstehe ich zu wenig von Vögeln, um die einzelnen Arten zu unterscheiden), ebenso verschiedene Fische, sehr laute Kraniche, ein dreibeiniger Fuchs, später zum Glück noch gesunde Artgenossen, ein suizidaler Spatz.
Tiere hinter Gittern gab es auch, sie haben mich weniger interessiert. Fotografiert habe ich nur tote Tiere, die ich auf der Straße gefunden habe. Die sind nicht so schnell weg. Ich wollte einen eigenen Kontakt zu den wild lebenden Tieren zu finden, mich von Vorwissen und Phantasien zu lösen, selber sehen und hören.
Joh.: Gibt es eine besonders eindrückliche oder folgenreiche Begegnung, die du uns verraten möchtest?
Jörn: Begegnungen mit Hasen haben mir am meisten Spaß gemacht. Sie sind nicht umsonst in vielen Erzählungen Trickster, die den Menschen Streiche spielen. Genau so war es bei mir auch. Wenn es irgendwo die Möglichkeit gab, falsch zu gehen, tauchten oft Hasen auf, um mich in die Irre zu führen. Nach ein paar Tagen wusste ich das, aber anscheinend wussten sie auch, dass ich das wusste. Deshalb tauchten sie dann am richtigen Weg auf, und ich ging wieder den falschen. Das war, als würden die Hasen und ich uns gegenseitig übereinander lustig machen.
Joh.: Zur Wahrnehmung von Zeit und Raum interessiert mich, ob sich dein Zeitempfinden im Laufe der Tage und Wochen verändert hat?
Jörn: Das ging schnell. Die Wahrnehmung der Zeit und auch der Distanzen passen sich an das Gehen an. Mir kamen „noch ein, zwei Stunden“ oder „noch zehn Kilometer“ schon bald nicht mehr viel vor. Ich hatte ja nichts anderes vor. Ich habe versucht, wenig zu planen, sondern den Rhythmus von Gehen und Schlafen meinen Bedürfnissen anzupassen. Meistens bin ich im Morgengrauen aufgewacht und auch bald los gegangen, habe mittags in der größten Hitze einige Stunden geschlafen und bin dann in den Abend gelaufen, manchmal auch in die Nacht. Insgesamt war die Reise mit knapp zwei Wochen zu kurz, war das Ziel zu nah, um nachhaltig in ein anderes Zeitempfinden hinein zu kommen. Ich würde es gerne mit einer mindestens doppelt so langen Strecke versuchen, vielleicht ohne Ziel, um das Gehen noch purer zu erleben. Dieses von etwas weg und zu etwas hin gehen hat mich sehr in meinem anderen Leben fest gehalten.
Joh.: Wie steht es mit der räumlichen Orientierung? Hat das GPS die Regie übernommen oder hat sich dein Raumgefühl im Lauf der Zeit verändert?
Jörn: Ich bin immer weitere Strecken pro Tag gegangen. In den letzten Tagen habe sogar Wanderkarten, die am Wegrand aufgestellt oder in Läden ausgehängt waren, benutzt. Ich bin in einen Zielwahn hinein gekommen, wollte fertig werden. Dabei ist der Raum fast immer klar definiert geblieben: Es war ja eine bekannte Strecke, obwohl ich viele Orte vorher nicht kannte. Auch dafür wäre es interessant, beim nächsten Mal ins Unbekannte zu gehen: Einfach nach Süden oder nach Norden.
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