Happening auf Kampnagel

Liebe Freundinnen und Freunde des Einstellungsraums,

nach einer Pause melde ich mich im Blog zurück. Inzwischen haben wir den Katalog „Hybrid“ herausgebracht und konnten ihn in K 3, dem Zentrum für Choreographie auf Kampnagel, präsentieren.

Die Katalog-Release auf Kampnagel ergab sich durch Claudia Plöchinger, die als Kuratorin und Produzentin VERKEHR – Ein choreographisches Planspiel konzipiert und kuratiert. In der Planungsphase nahm Elke Suhr Kontakt mit ihr auf und lud sie ein, ihr Konzept im EINSTELLUNGSRAUM vorzustellen. Wie ich gestern auf der Premiere erleben konnte ist ihr und ihrem Team ein spannendes 3-stündiges Experiment mit dem Publikum gelungen.

Dieses Happening, bei dem alle Besucher mitmachen und nur bei gelegentlichen Verschnaufpausen auch einmal zuschauen, zeigt, dass Verkehr und Choreographie keine Gegensätze sind. Deshalb möchte ich hier Kurzentschlossenen einen Theatertipp geben.

 

Claudia Plöchinger: VERKEHR, auf Kampnagel 14.-16. April 2011jeweils um 19:30

Gruppen mit A fangen im Parcours mit den Autoskootern an, spielen in einem übergroßen Flipperautomaten, wo man Millionen Punkte machen kann, oder rasen mit ferngesteuerten Miniaturautos durch einen virtuellen Parcours, der jederzeit von Stadtverkehr auf Autobahn oder sich an Felswänden schlängelnden Küstenstraßen wechseln kann. Macht aber nichts, wenn man gerade weiter über das Wasser und durch Berge und Wände fährt. Im Hybrid aus Modell und Virtuell kann man es richtig krachen lassen, was im Autoskooter ohne Bremse bekanntlich nur bedingt möglich ist.

Gruppen mit B fangen in einem zweiten Rundkurs an, der sich als Kreisverkehr um eine Art Kaaba gruppiert, in dem 11 Besucher zu Protagonisten von überschaubaren Handlungen werden, die nach Anweisungen gespielt werden. In einem Studio mit Regalwand, Schreibtisch, Garten, Schlafzimmer und Kommode entsteht daraus eine endlos Folge von Simultanhandlungen. Spätestens hier wird klar, warum sich Plöchinger Kuratorin nennt. Sie stellt die Bedingungen zur Verfügung, in denen man sich bewegt. Dabei ist es angenehme ist, dass man – wovor viele ja immer noch Angst haben – nicht überfordert wird. Scheinbar zwanglos wird man Teil einer „Maschine“, wie sie die Installationsfolge nennt. Zwischendurch kann man sich an einer Bar oder einem Kiosk erfrischen oder in einer Massagezelle, beim Loungen vor Trainingsfilmen der Polizei aus den 1960ern, an einem Mega-Tischfußballspiel entspannen.

Im zweiten Durchgang wechseln die Gruppen A und B die Parcours.

Eigentlich kann man nur in je einem der je vier Segmente in den zwei Teilen des Stückes wirklich Zuschauer sein: Auf der Tribüne vor der Autoscooter-Halle und hinter den Spiegeln, durch die man die 11 nach Anweisungen agierenden beobachten kann. Hier kann man sehen, warum das Stück eine Choreographie heißt. Die Bewegungen nach Anweisungen sind ob mit und ohne Gefährt bei jedem Menschen innerhalb der vorgegebenen Muster oder Vorschriften so einzigartig, dass man erkennt, warum es so erstaunlich ist, dass die Selbstorganisation so vielen Menschen auf der Straße so durchgreifend funktioniert, dass sie durch Regeln kaum zu stoppen sind. Ein Stück bei dem man selbst, wenn man ständig gefordert ist, so viel über den Verkehr lernt, dass man bemerkt, dass er eigentlich nicht zu bändigen ist, es sei denn alle Benutzer bändigen sich selbst – mehr oder weniger. Insofern ist es auch ein Stück über Tugenden, die jeweils mit der Selbstbeschränkung zu tun haben. Und hier befinden wir uns, ausgehend von den Nachbeben der Happenings vor 50 Jahren, mitten in Themen des Theaters. 

Johannes Lothar Schröder

Vorschläge sind willkommen

Die Suche nach einem Titel des Blogs verläuft weiterhin unbefriedigend; Vorschläge sind deshalb weiter erwünscht. Willkommen sind auch Beiträge, Visuelles, Erinnerungen, Anekdoten etc. zur Frühzeit des EINSTELLUNGSRAUMS vor 10 Jahren. Sollten diese als Beitrag zur Jubiläumsfeier im Sommer vorgesehen sein, werden sie natürlich nicht im Voraus veröffentlicht und müssen auch nicht hier und von mir gesammelt werden.

Aufgrund von Einwänden habe ich die letzten Einträge im Blog gelöscht. Für sie gibt es keinen Anlass mehr.

Über die positiven Rückmeldungen hinsichtlich der vorab bereitgestellten Informationen über die Ausstellungen habe ich mich gefreut. Sofern mir aussagekräftiges Material von den Künstlerinnen und Künstler zur Verfügung steht, nutze ich den Blog gerne weiterhin, um dieses im Voraus zugänglich zu machen und um erste Gedanken zu den kommenden Ausstellungen zur Diskussion zu stellen.

Johannes 

“… als würden die Hasen und ich uns gegenseitig übereinander lustig machen.”

Zur Ausstellungseröffnung von Jörn J. Burmester am 3. Feb. 2011

In diesem Jahr möchte ich das Material, das mir von den Künstlern für die Vorbereitung der Einführungsvorträge zur Verfügung gestellt wurde, mit den Lesern des Blogs teilen, so dass es den Besuchern der Ausstellung im Vorfeld möglich ist, sich vorzubereiten oder während der Eröffnung Fragen zu stellen. Ich kann mir vorstellen, dass dadurch bessere Voraussetzungen für eine Diskussion gegeben sind und bin gespannt, ob es funktioniert.

In den letzten Tagen habe ich einige Fragen an Jörn Burmester geschickt, die hier mit seinen Antworten wiedergegeben sind. Außerdem hat er mir Listen der Orte überspielt, die er auf seinen „Umwege(n) auf der Luftlinie“ passierte. Weitere Aufstellungen verzeichnen die Tiere, die er wild lebend, auf den Feldern und Wiesen und tot, meist überfahren, angetroffen hat. Eine dritte Tabelle listet die mitgenommenen Gegenstände.

 

 

Joh.: Eine grundlegende Frage ist die nach den Wegen. Wo genau bist du eigentlich hergegangen? Welche Art von Wegen hast du benutzt?

Jörn: Meine Idee war, der Luftlinie zwischen meinem Elternhaus und dem Haus, in dem ich heute wohne, so genau wie möglich zu folgen. In der Praxis ist das natürlich unmöglich. Ich war überrascht, immer wieder ganze Systeme von kleinen Straßen zu finden, auf denen man fast niemand begegnet. Sie führen zu einzelnen Höfen, Feldern oder Waldwegen. Aber fast alle führen irgendwo hin. Das waren die angenehmsten Wege zum Laufen.

 

Joh.: Wie hast du dich verhalten, wenn dir durch große Felder und Autobahnen der Weg abgeschnitten wurde? Gab es sonst noch Hindernisse?

Jörn: In der zivilisierten Landschaft kann man nur selten querfeldein gehen. Im Laufe meiner Reise Ende Juli wurden immer mehr Felder abgeerntet, dann konnte ich auch mal quer gehen. Vor der Ernte sind die riesigen Schläge der industriellen Landwirtschaft kaum zu passieren, und sie sind oft Kilometer breit. Mit den Autobahnen hatte ich wenig Schwierigkeiten, meistens fand sich bald eine Brücke. So ging es mir auch mit den Flüssen und Kanälen auf dem Weg. Fast immer. Manchmal geht man eben am Fluss entlang, bis sich ein Übergang findet. Schwieriger sind Moore. Gar nicht weit von Berlin gibt es das Kremmener Luch, eine große, von vielen kleinen Wasserläufen durchzogenes Moorgebiet. Sehr schwierig zu durchqueren, aber lohnend, wenn man nach ein paar Stunden Umwege mit kilometerlangen einsamen Kopfsteinpflasterwegen entdeckt - mit kaum einem Haus.


Joh.: Wo hast du übernachtet? Gab es irgendwelche Besonderheiten, die du gerne erzählen möchtest?

Jörn: Nach Möglichkeit habe ich im Freien geschlafen, meistens am Rand von Feldern oder Wäldern. Interessant waren die Geräusche, seltsame, kaum zuzuordnende Tiergeräusche im Dunklen, einmal auch Schüsse. Die einzige wirkliche Schwierigkeit waren aber die Mücken. Nicht wegen der Stiche, sondern wegen des unablässigen Summens in den Ohren. Das hat mich einige Nächte komplett um den Schlaf gebracht, und auch deshalb (und zum Duschen) habe ich ab und zu ein Zimmer genommen.

 

Joh.: Ich weis, dass sich die Ausstellung besonders auf die Tiere bezieht, die dir begegnet sind. Möchtest du im Voraus schon etwas darüber sagen? Vielleicht eine Aufzählung, damit sich die Leser vorstellen können, was so zwischen Kiel und Berlin kreucht und fleucht?

Jörn: Die Aufzählung: Kaninchen, Rehe, Libellen, Hasen, Mücken, Katzen und Krähen, eine Ringelnatter, ein Emu, verschiedene Raubvögel (leider verstehe ich zu wenig von Vögeln, um die einzelnen Arten zu unterscheiden), ebenso verschiedene Fische, sehr laute Kraniche, ein dreibeiniger Fuchs, später zum Glück noch gesunde Artgenossen, ein suizidaler Spatz.

Tiere hinter Gittern gab es auch, sie haben mich weniger interessiert. Fotografiert habe ich nur tote Tiere, die ich auf der Straße gefunden habe. Die sind nicht so schnell weg. Ich wollte einen eigenen Kontakt zu den wild lebenden Tieren zu finden, mich von Vorwissen und Phantasien zu lösen, selber sehen und hören. 

 

Joh.: Gibt es eine besonders eindrückliche oder folgenreiche Begegnung, die du uns verraten möchtest?

Jörn: Begegnungen mit Hasen haben mir am meisten Spaß gemacht. Sie sind nicht umsonst in vielen Erzählungen Trickster, die den Menschen Streiche spielen. Genau so war es bei mir auch. Wenn es irgendwo die Möglichkeit gab, falsch zu gehen, tauchten oft Hasen auf, um mich in die Irre zu führen. Nach ein paar Tagen wusste ich das, aber anscheinend wussten sie auch, dass ich das wusste. Deshalb tauchten sie dann am richtigen Weg auf, und ich ging wieder den falschen. Das war, als würden die Hasen und ich uns gegenseitig übereinander lustig machen.

 

Joh.: Zur Wahrnehmung von Zeit und Raum interessiert mich, ob sich dein Zeitempfinden im Laufe der Tage und Wochen verändert hat?

Jörn: Das ging schnell. Die Wahrnehmung der Zeit und auch der Distanzen passen sich an das Gehen an. Mir kamen „noch ein, zwei Stunden“ oder „noch zehn Kilometer“ schon bald nicht mehr viel vor. Ich hatte ja nichts anderes vor. Ich habe versucht, wenig zu planen, sondern den Rhythmus von Gehen und Schlafen meinen Bedürfnissen anzupassen. Meistens bin ich im Morgengrauen aufgewacht und auch bald los gegangen, habe mittags in der größten Hitze einige Stunden geschlafen und bin dann in den Abend gelaufen, manchmal auch in die Nacht. Insgesamt war die Reise mit knapp zwei Wochen zu kurz, war das Ziel zu nah, um nachhaltig in ein anderes Zeitempfinden hinein zu kommen. Ich würde es gerne mit einer mindestens doppelt so langen Strecke versuchen, vielleicht ohne Ziel, um das Gehen noch purer zu erleben. Dieses von etwas weg und zu etwas hin gehen hat mich sehr in meinem anderen Leben fest gehalten.


Joh.: Wie steht es mit der räumlichen Orientierung? Hat das GPS die Regie übernommen oder hat sich dein Raumgefühl im Lauf der Zeit verändert?

Jörn: Ich bin immer weitere Strecken pro Tag gegangen. In den letzten Tagen habe sogar Wanderkarten, die am Wegrand aufgestellt oder in Läden ausgehängt waren, benutzt. Ich bin in einen Zielwahn hinein gekommen, wollte fertig werden. Dabei ist der Raum fast immer klar definiert geblieben: Es war ja eine bekannte Strecke, obwohl ich viele Orte vorher nicht kannte. Auch dafür wäre es interessant, beim nächsten Mal ins Unbekannte zu gehen: Einfach nach Süden oder nach Norden. 

 

 

L I S T E N

 

111 Ortschaften

 

Felde

Marutendorf

Hohenhude

Annenhof

Rumohr

Flintbek

Schönhorst

Klein Barkau

Kirchbarkau

Nettelsee

Löptin

Depenau

Diekhof

Kalübbe

Dersau

Bredenbek

Pehmerfelde

Kembs

Weitewelt

Liethkaten

Seekamp

Berlin

Steenkrüz

Gnissau

Hohenhorst

Brauner Heckkaten

Lebatz

Grebenhagen

Cashagen

Dissau

Bargerbrück

Stockelsdorf

Lübeck

St. Gertrud

Schlutup

Selmsdorf

Schönberg

Roduchelsdorf

Cordshagen

Gletzow

Rehna

Bülow

Dorf Nesow

Neu Benzin

Holdorf

Gadebusch

Reinhardtsdorf

Bendhof Ziegelei

Bendhof

Brüsewitz

Berendsohn

Groß Brütz

Neu Wandrum

Hof Wandrum

Wittenförden

Schwerin

Mueß

Raben Steinfeld

Peckatel

Plate

Sukow

Göhren

Tramm

Klinken

Raduhn

Alt Damerow

Möderitz

Parchim

Neuburg

Siggelkow

Porep

Nettelbeck

Putlitz

Schmarsow

Mertensdorf

Preddöhl

Falkenhagen

Sadenbeck

Neu Krüssow

Wilmersdorf

Heiligengrabe

Liebenthal

Papenbruch

Karstedtshof

Christdorf

Herzsprung

Fretzdorf

Rägelin

Woltersdorf Baum

Kränzlin

Neuruppin

Treskow

Wustrau

Ziethenhorst

Linumhorst

Staffelde

Klein-Ziethen

Wolfslake

Neu-Vehlefanz

Eichstädt-Ausbau

Eichstädt

Marwitz

Hennigsdorf

Stolpe Süd

Berlin Heiligensee

Berlin Schulzendorf

Berlin Tegel

Berlin Wittenau

Berlin Reinickendorf

Berlin Wedding

Berlin Prenzlauer Berg

 

 

 

 

 

 

13 Sommertage

 

15.07.2010

16.07.2010

17.07.2010

18.07.2010

19.07.2010

20.07.2010

21.07.2010

22.07.2010

23.07.2010

24.07.2010

25.07.2010

26.07.2010

27.07.2010

 

 

12 Schlafplätze

 

Feldrain unter einem halb gestüzten Baum

Waldrand unter Tannen

Travestrand

Heuhotel

Ufer des Neumühler Sees

Ufer des Settiner Sees

Stromleitungsschneise

Alte Post Putlitz

Birkenwald

Ruppiner Speisegaststätte Hotel und Restaurant

Ruppiner Speisegaststätte Hotel und Restaurant

Feldrand am Knick

 

 

69 Ausrüstungsgegenstände

 

Pfefferspray

Haribo Schnecken

GPS Gerät

Stirnlampe

Taschenmesser

Fernglas

Schlüsselbund

Feuerzeug

Adressbuch

Stifte

Mobiltelefon

Fotokamera

2 Trinkflaschen (1,5 l)

Klopapier

Papiertaschentücher

Vliesjacke

Flipflops

2 Unterhosen

Kurze Hose

T-Shirt Baumwolle

2 T-shirts Polyester

2 Paar Socken

Hose

3 Bandanas

Gürtel

Portemonaie

Handtuch

Duschgel

Sonnencreme

Mückenschutz

Tasse

Pflaster

Fußcreme

Elastische Binde

Ladegerät Telefon

Ladegerät Fotokamera

Angelschnur m. Schwimmer, Haken

Schuhwachs

Lappen

2 Klemmen

Gaffertape

Packgurt

Kompass

5 Ziplock-Tüten

6 Häringe im Beutel

3 Abspannleinen

Tarp

Wanderstiefel

Isomatte

Schlafsack

3 Plastiktüten

Rucksack

Regenjacke

Regenhose

Studentenfutter

Energieriegel

Salz in Filmdose

Pfeffer in Filmdose

Käse

Apfel

Brot

2 Tomaten

Notizbuch

Ausweis

Führerschein

Bahncard

Kreditkarte

Krankenversicherungskarte

Performerstammtischmitgliedskarte

 

 

 

 

 

 

13 Tiere

 

Kanninchen

Reh

Libelle

Hase

Mücke

Krähe

Ringelnatter

Emu

Raubvogel

Fisch

Kranich

Fuchs

Spatz

 

 

9 Sklaventiere

 

Kuh

Pferd

Hund

Katze

Schaf

Ziege

Ente

Huhn

Mops

 

 

14 tote Tiere

 

Maulwurf

Feldmaus

Weinbergschnecke

Amsel

Schwalbe

Goldammer

Zitronenfalter

Maikäfer

Katze

Kröte

Raupe (kleiner Fuchs?)

Heuschrecke

Spitzmaus

Wespe

 

Katalog “Hybrid” 2010 kommt

Während sich viele von uns während der Ferien den Bauch ausgestopft haben, hat Elke Texte und Bildmaterial für den Katalog über alle Ausstellungen und Aktivitäten des nun vergangenen Jahres gesammelt und in eine Form gebracht. Wir sind gespannt und freuen uns darauf, euch das Ergebnis bald vorstellen zu können.

Zunächst sehen wir hoffendlich viele von euch zur Einführung in das Jahresthema am 27. Jan. und zur Ausstellung von und mit Jörn Burmester.

Johannes

Wieder da im Neuen Jahr

Gut ins Neue Jahr gekommen bin ich, wie alle Leser hoffentlich auch! Trotz der Schreibpause, Weihnachten, rutschigen Straßen und Sonnenfinsternis sind wir guter Dinge zurück im Einstellungsraum und arbeiten am aktuellen Jahresprojekt „Autos fahren keine Treppen“. Mir schweben Szenen auf Filmen und Comics vor, wo es solchen Figuren wie Daniel Düsentrieb gelungen sein muss, Autos so zu frisieren, dass sie Treppen hinauf und hinunter fahren können. Kann sich jemand an solche Szenen erinnern und - besser noch - sie uns zur Verfügung stellen?

Auch das letzte Jahr wird bald abgeschlossen sein. Der Text über Juro Grau ist fast fertig und an der Veröffentlichung des sehr heterogenen Materials, das die drei mal drei Tage mit Aktionen hervorgebracht haben, wird weiter gearbeitet. Wie immer, wenn man es mit der scheinbar immateriellen Aktionskunst zu tun hat, wird am Ende viel mehr produziert, als man am Anfang hereingesteckt hat: Man könnte sagen, es ist mehr als ein Hybridmotor der künstlerischen Produktion, so würde diese Aktionskunst zum kulturellen perpetuum mobile, vielleicht als ein Selbstläufer der Kunst in der Kunst.

Weiterführend haben sich die Diskusstionen über Re-doings mit den Gästen erwiesen. Andrés Galeano hat mir sein Interview mit mir zur Verfügung gestellt, so dass in Kürze Auszüge davon auf die Homepage gestellt werden. Auch die Ansätze mit den Cut-outs am 9. – 11. 12. 10 erwiesen sich als produktiv. Zwar sind die Arbeiten von Sahin Ince weiterhin unauffindbar, doch sind inzwischen Fotodokumente aufgetaucht, die belegen, dass Hamburg in den 1990ern ein Entwicklungslabor für „Cut-outs“ war. Wir halten unsere Leser auf dem Laufenden.

Herzliche Grüße und Glückwünsche für ein 2011 mit guter Gesundheit und erfolgreichem Gelingen möglichst vieler Vorsätze und Vorhaben!

Johannes

Schneehäschen malen und Bananenpreis

Dieses Wochenende sind Florian Feigl und Jörn Burmester zu Gast bei „Aktionen 3x wöchentlich“. Zuhause in Berlin halten sie die Organisation des Performerstammtischs ein paar Tage an der langen Onleine. Nach Hamburg haben sie niedliche Schneehäschen mitgebracht. Während ihre Dompteure am Fr. den 17.12. die Raumachse des Einstellungsraums quer über die Straße bis auf die gegenüberliegende Fassade verlängern, müssen die Kleinen  Bilder malen. Wir sind „tierisch“ gespannt, wie Florian es schafft, über die eisglatte Fahrbahn der Wandsbeker Chaussee zu kommen.  „Wenn du mich hören kannst Florian, dann sag mir dringend, ob du schon die Polarnägel unter deine Sohlen geschraubt hast?“

Am Samstag wird der Gewinner des Bananenrätsels belohnt.  Wer die Form der Banane der richtigen Aktion zuordnet, bekommt als Preis eine von Schröder ausradierte Originalzeichnung oder eine Tafel Schokolade analogen Marktwerts. Burmester, Feigl und Schröder werden sich über das Gespräch zwischen Beuys und Filliou hermachen. Dieses und weitere Re-doings von unbekannten und bekannten Werken und Re-tellings nach Losen, die aus der Salzglasurvase im Fenster zu ziehen sind, die Lose von 42 Vorträgen enthält, können aktiviert werden.

Do., Fr., Sa., also vom 16. – 18. Dezember täglich von 17 – 20 Uhr.

Black-Box: Gute Besserung René

Aus der Korrespondenz mit René Schmalz

“(…)

Das Programm am ersten Abend ließ sich in deinem Sinne gestalten, trotzdem haben dich alle sehr vermisst. Besonders Brigitte, unsere Schriftführerin, eine begeisterte Leserin von Friederike Mayröcker, ist gespannt auf das Video, das ihr in Wien gedreht habt.

Mit 4 Teilnehmern ließ sich eine interessante Tischsituation herstellen. Mit dem Auspacken eines Kartons mit Relikten konnte die Intention des Schauwerk Black Box Projektes zumindest angedeutet werden. Der Inhalt des Pakets stammt von einer Installation, die parallel zu meiner Performance über „Isobare und Gliederreißen“ als Beitrag des Festivals „Vogelfrei“ im November 2007 in Darmstadt zu sehen war. Ute Ritschel, die Initiatorin und Kuratorin, hat ihn mir nach der Ausstellung zurückgeschickt. Darin befanden sich mit Pigmenten gefärbte Isobare aus Draht und zu Wirsingköpfen gedrehte Manuskriptseiten und Knochen aus Manuskriptmaché. Alle Anwesenden lasen die erkennbaren Worte laut. So dass ein Cut-up-Text zu Fragen des Körpers in der Performance und auf Zeichnungen von Thomas Rieck vernehmbar wurde.

Als Los wurde die Mappe mit den Vorüberlegungen zu meinem Papier für die 8. PSi-Konferenz 2002 Theaters of Life an der N.Y.U. gezogen. Charlotte Salomons autobiographischen Aquarellen Theater und Leben und die darin enthaltenden Entwürfen für eine Operette lieferten ein schier überwältigendes Material über fatale Familienkonstellationen, Flucht, Deportation, Depression und „Talking Heads“.

Eine zweiminütige Mikro-Performance mit einer Kuckucksuhr ging der Frage nach, warum ausgerechnet der Kuckuck in der nach im benannten Uhr die Zeit angibt. Tip: Der Kuckuck kann zählen sowie Farben und Größe seiner Eier modellieren.

(…)

Gute Besserung

Johannes“

J.L.Schröder + Gäste: Aktionen 3 x wöchentlich

Aktuelle Nachricht vom Johannes Lothar Schröder:

  • René Schmalz liegt schwer erkrankt danieder und kann nicht kommen. Ich wünsche ihm Gute Besserung in die Schweiz. Er hat uns freundlicherweise Informationen über sein Projekt mit Valie Export und Friederike Mayröcker zur Verfügung gestellt.
  • Für das Re-doing von „Erased deKooning“ (1953) von Robert Rauschenberg in der Variante von 1968 von Günter Eichler und Hannes Schröder suche ich an einem der Abende vom 9. bis 11. Dezember einen Zeichner.
  • Außerdem werden die Sessions im EINSTELLUNGSRAUM an diesem Wochenende Performances und Installationen aus Hamburg gewidmet sein. An erster Stelle steht eine Hommage an Şahin Inče, dessen Installationen, Performances und Cut-Outs in den 1980ern bis 1993 in zahlreichen Ausstellungen zu sehen und zu begehen waren. Ausgehend von mit Azetylen geschnittenen Stahlblechen in Istanbul, arbeitete er in Hamburg mit Papier und Pappe sowie seit Ende der 1980er Jahre mit Teppichen, die mit Farbe und Feuer behandelt wurden.
  • 1993 gingen alle Arbeiten - es handelte sich um Hunderte, teils großformatige Gemälde, Tausende von Zeichnungen und Cut-Outs, die in seinem Studio in der Wendenstraße zu einem Berg aufgetürmt lagen - durch eine Zwangsräumung in den Besitz von Dieter Becken über.

Im EINSTELLUNGSRAUM werden die Arbeiten von Inče als Dokumente gezeigt, wodurch parallel zur Ausstellung „CUT“ in der Hamburger Kunsthalle Einblicke in ein großartiges Werk möglich sind, das vor 18 Jahren zahlreiche als Partygänger in der Wendenstraße verkehrende Künstler inspiriert hat. Fotos weiterer Performances runden die Übersicht ab. 

  • U.a. von:
  • Charly Wüllner
  • Judith Hamann
  • Rud Witt
  • Squat Theatre
  • Ruskin Stichting
  • Jack Smith
  • P.S.: Die Vase mit den Losen wartet auf eine Ziehung, damit einer der - inzwischen sind es noch 36 - Vorträge reproduziert werden kann.
  •  

    Herzlich Willkommen!

    Willkommen auf der Seite von EINSTELLUNGSRAUM e.V.
    Wir freuen uns über alle Kommentare, die unserem Ansatz konstruktive Beiträge liefern.
    Elke Suhr
    admin